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Добавлен: 09.04.2021

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»Darf ich mitkommen?«

Schulze hob abwehrend die Hand. »Lieber nicht! Sollte sich wider Erwarten herausstellen, daß 

ich es überhaupt noch kann, führe ich morgen vor geladenem Publikum etliche Eistänze vor. Das 

mag Ihnen zum Trost gereichen.«

Der junge Mann wünschte Hals- und Beinbruch und zog sich ins Schreibzimmer zurück, um 

seiner Mutter einen ausführlichen Brief zu schreiben.

Herr Schulze holte seine Schlittschuhe aus der fünften Etage und begab sich zur Eisbahn. Er 

hatte Glück, er war der einzige Fahrgast. Mühsam schnallte er die rostigen Schlittschuhe an die 

schweren rindsledernen Stiefel. Dann stellte er sich auf die blitzblanke Fläche und wagte die 

ersten Schritte.

Es ging.

Er verschränkte die Hände auf dem Rücken und lief, noch etwas zaudernd, einmal rund um die 

Bahn. Dann blieb er aufatmend stehen und freute sich. Man war eben doch ein verfluchter Kerl!

Nun wurde er wagemutiger. Er begann Bogen zu fahren. Der Rechtsbogen klappte besser als der 

linke. Aber das war schon so gewesen, als er noch in die Schule ging. Das war nicht mehr zu 

ändern.

Er überlegte sich, was er damals alles gekonnt hatte.

Er holte mit dem linken Bein Schwung und fuhr eine Drei. Erst einen Auswärtsbogen, dann eine 

winzige Schleife und abschließend einen Rückwärtsbogen.

»Donnerwetter«, sagte er hochachtungsvoll zu sich selber. »Gelernt ist gelernt.« Und nun 

riskierte er eine aus rechten Auswärts- und Einwärtsbogen zusammengestellte Acht. Das klappte 

auch! Die beiden Ziffern waren groß und deutlich in die Eisfläche graviert.

»Und jetzt eine Pirouette«, sagte er laut, holte mit dem linken Bein und beiden Armen Schwung, 

drehte sich etwa zehnmal wie ein Kreisel um sich selber, lachte übermütig, da zog ihm eine 

unsichtbare Macht die Füße vom Eis! Er gestikulierte, es half nichts, er schlug lang hin, der 

Hinterkopf dröhnte, das Eis knisterte, die Rippen schmerzten, Schulze lag still. Er lag mit 

offenen Augen und blickte verwundert himmelwärts.

Minutenlang rührte er sich nicht. Dann schnallte er die Schlittschuhe ab. Ihn fröstelte. Er stellte 

sich auf die Füße, hinkte übers Eis zur Gittertür, drehte sich noch einmal um, lächelte wehmütig 

und sagte: »Wenn's dem Esel zu wohl wird...«

Am späten Nachmittag saßen die drei Männer im Lesezimmer, studierten die Zeitungen und 

sprachen über wichtige Ereignisse der letzten Zeit. Sie wurden von Professor Heltai, dem 

Tanzlehrer des Hotels, unterbrochen. Er trat an den Tisch und bat Herrn Schulze, ihm zu folgen. 

Schulze ging mit.

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Nach einer Viertelstunde fragte Kesselhuth: »Wo bleibt eigentlich Schulze?«

»Vielleicht läßt er sich Unterricht in modernen Tänzen geben?«

»Nicht sehr wahrscheinlich«, meinte Kesselhuth. (Er hatte Hagedorns Bemerkung ernst 

genommen.)

Nach einer weiteren Viertelstunde brachen sie auf, Schulze zu entdecken. Sie fanden ihn, ohne 

größere Schwierigkeiten, in einem der Speisesäle.

Er stand spreizbeinig auf einer hohen Leiter, schlug gerade einen Nagel in die Wand und 

verknotete an diesem eine Wäscheleine. Dann kletterte er herunter und schleppte die Leiter 

voller Eifer an die Nebenwand.

»Haben Sie Fieber?« fragte Hagedorn besorgt.

Schulze stieg auf die Leiter, nahm einen Nagel aus dem Mund und den Hammer aus der 

Anzugtasche. »Ich bin gesund«, sagte er.

»Ihr Benehmen spricht dagegen.«

»Ich dekoriere«, erklärte Schulze und schlug mit dem Hammer auf seinen Daumen. Dann 

knotete er das andere Ende der Leine fest. Sie hing jetzt quer durch den Saal. »Eine allerliebste 

Beschäftigung«, meinte er und kletterte wieder herunter. »Ich bin dem Professor der Tanzkunst 

behilflich.«

Da rückte Heltai mit zwei Stubenmädchen an, die einen großen Korb trugen. Die Mädchen 

reichten Schulze alte, zerlöcherte Wäschestücke hinauf, und er hängte sie dekorativ über die 

Leine.

Der Professor betrachtete die herabhängenden Hemden, Hosen, Strümpfe und Leibchen, kniff 

ein Auge zu, zwirbelte sein schwarzes Schnurrbärtchen und rief: »Sehr fesch, mein Lieber!«

Schulze schob in einem fort die Leiter durch den Saal, kletterte hinauf und herunter und hängte 

unermüdlich die dekorativen Fetzen auf. Die Stubenmädchen kicherten über die zerlöcherte, 

vorsintflutliche Unterwäsche. Sogar ein riesiges Fischbeinkorsett war dabei.

Der Professor rieb sich die Hände. »Sie sind ein Künstler, mein Lieber. Wann haben Sie das 

gelernt?«

»Soeben, mein Lieber«, sagte Schulze.

Der Professor ließ, ob dieser burschikosen Entgegnung, seinen Schnurrbart los. »Andere 

Saalseite gleichfalls!« rief er. »Ich hole Luftschlangen und Ballons.« Er verschwand.

Schulze schäkerte mit den Zimmermädchen und tat überhaupt, als seien Hagedorn und 

Kesselhuth längst fort.

Johann ertrug den Anblick nicht länger. Er trat auf die Leiter zu und sagte: »Lassen Sie mich 

hinauf!«

»Für zwei ist kein Platz«, erwiderte Schulze.

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»Ich will allein hinauf«, sagte Kesselhuth.

»Das könnte Ihnen so passen«, antwortete Schulze hochmütig. »Spielen Sie lieber Bridge! Feine 

Leute können wir hier nicht gebrauchen!«

Kesselhuth ging zu Hagedorn. »Wissen Sie keinen Rat, Herr Doktor?«

»Ich hab's ja kommen sehen«, meinte der junge Mann. »Passen Sie auf: Morgen läßt man ihn 

Kartoffeln schälen!« Dann gingen die beiden, betrübt und im Gleichschritt, ins Lesezimmer 

zurück.

Das zwölfte Kapitel 

Der Lumpenball

Nach dem Abendessen, das eine Stunde früher als sonst stattgefunden hatte, eilten die Gäste in 

ihre Zimmer und verkleideten sich.

Gegen zehn Uhr abends füllten sich die Säle, die Halle, die Bar und die Korridore mit Apachen, 

Bettlern, Zigeunerinnen, Leierkastenmännern, Indianerinnen, Einbrechern, Wilddieben, Zofen, 

Negern, Schulmädchen, Prinzessinnen, Schutzleuten, Menschenfressern, Spanierinnen, 

Vagabunden, hochbeinigen Pagen und Trappern.

\ Es trafen übrigens auch auswärtige Verbrecher, Gepäckträger und Wahrsagerinnen ein. Gäste 

anderer Hotels. Sie unterschieden sich von den andern dadurch, daß sie Eintritt zahlen mußten. 

Sie taten es gern. Die Kostümbälle im Grandhotel dauerten bis zum Morgengrauen.

Die Direktion hatte zwei dörfliche Kapellen engagiert. In sämtlichen Sälen erscholl Tanzmusik. 

Scharen von Einheimischen waren da, in ihren wunderschönen alten Trachten. Die Bauern 

sollten gegen Mitternacht bodenständige Tänze vorführen, Schuhplattler, Watschentänze und 

andere international berühmte Sitten und Gebräuche.

Die Tanzweisen vermischten sich, da in jedem Saal etwas anderes gespielt wurde, zu einem 

wilden, ohrenbetäubenden Lärm. Papierschlangen und Konfetti flogen durch die Luft. 

Bauernburschen trieben etliche Ziegen und ein schreckhaftes Schwein durch die Säle. Das Ferkel 

und die zur Lustigkeit entschlossenen Damen quiekten um die Wette. In der Halle war eine 

Tombola errichtet. Alles, was

überflüssig und entbehrlich ist, war in Pyramidenform vereinigt worden. (Die Lose und die 

Gewinne bezog der Tanzlehrer seit Jahren von einer Münchner Firma. Und der Reingewinn der 

Lotterie fiel, auf Grund eines Gewohnheitsrechtes, an ihn.)

Kesselhuth hatte während des Abendessens mitgeteilt, daß im Großen Saal ein Tisch mit drei 

Stühlen reserviert sei. Schulze und Hagedorn saßen, von verkleideten Menschen umgeben, an 

dem für sie bestellten Tisch und warteten auf den Besitzer der gutgehenden Schiffahrtslinie.

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Doktor Hagedorn war hemdsärmlig. Den Hals umschlang ein großes rotes Taschentuch. Auf 

dem Kopf trug er eine schief und tief ins Gesicht gezogene Reisemütze. Er stellte ganz 

offensichtlich einen Apachen dar.

Schulze hatte sich noch weniger verwandelt. Er trug, diesmal allerdings innerhalb des Hotels, 

seine übliche sportliche Ausrüstung: den violetten Anzug, die Wickelgamaschen, die 

kleeblättrigen Manschettenknöpfe, die schwarzsamtenen Ohrenklappen und die feurig rote 

Pudelmütze. Ihm wurde langsam heiß.

»Wo sind die Schlittschuhe?« fragte Hagedorn.

»Hören Sie auf!« bat Schulze. »Erinnern Sie mich nicht an meinen Hinterkopf! Ich hatte völlig 

vergessen, wie hart so eine Eisbahn sein kann. Als Schlittschuhläufer werde ich nicht mehr 

auftreten.« 

»Und Sie hatten sich so darauf gefreut«, sagte Hagedorn mitleidig.

»Das ist nicht weiter schlimm«, erklärte Schulze. »Ich hatte mich vorübergehend in meinem 

Alter geirrt.« Er lächelte freundlich. »Wie gefallen Ihnen aber meine Dekorationen, junger 

Freund?« Er schaute sich zufrieden um.

Hagedorn erklärte, hingerissen zu sein.

»Das ist recht«, sagte Schulze. »Wo jedoch steckt unser lieber Kesselhuth?«

In diesem Augenblick füllte jemand, der hinter ihnen stand, die drei Weingläser.

»Wir haben keinen Wein bestellt«, sagte Hagedorn erschrocken. »Ich möchte ein helles Bier 

haben.«

»Ich meinerseits auch«, meinte Schulze.

Da lachte der Kellner. Und als sie sich erstaunt umdrehten, war es gar kein Kellner, sondern Herr 

Johann Kesselhuth. Er trug die Toblersche Livree, seinen altgewohnten, geliebten Anzug, und 

blickte Herrn Schulze, um Entschuldigung bittend, in die Augen.

»Großartig!« rief Hagedorn. »Ich will Sie nicht kränken, Herr Kesselhuth, aber Sie sehen wie der 

geborene herrschaftliche Diener aus!«

»Ich fühle mich nicht gekränkt, Herr Doktor«, sagte Kesselhuth. »Wenn ich nicht Alexander 

wäre, möchte ich Diogenes sein.«

Die drei Männer amüsierten sich königlich. Jeder auf seine Weise. Herr Kesselhuth 

beispielsweise stand, obwohl er schließlich Besitzer einer Schiffahrtslinie war, glückselig 

lächelnd hinter dem Stuhl, auf dem Schulze saß, und nannte den armen Kerl, der die Eisbahn 

hatte kehren müssen, bei jeder Gelegenheit »gnädiger Herr«. Und Schulze rief den Reeder 

Kesselhuth unentwegt beim Vornamen. »Johann, bitte Feuer!« Und: »Johann, Sie trinken 

zuviel!« Und: »Johann, besorgen Sie uns drei Schinkenbrote!«

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Hagedorn meinte: »Kinder, das klappt, als ob ihr die Rollen jahrelang einstudiert hättet.«

»Sie sind ein Schlaumeier«, sagte Schulze. Und Kesselhuth lachte geschmeichelt. Später kam der 

dicke Herr Lenz an den Tisch. Er hatte sich als Kaschemmenwirt verkleidet, trug eine halbleere 

Flasche Danziger Goldwasser unterm Arm und fragte Schulze, ob er sich denn nicht an der 

Prämiierung der drei gelungensten Lumpenkostüme vormerken lassen wolle. »Sie kriegen 

todsicher den ersten Preis«, sagte er. »So echt wie Sie können wir andern gar nicht aussehen! 

Wir sind ja bloß verkleidet.«

Schulze ließ sich überreden und ging mit Lenz zu Professor Heltai, der die Startnummern für den 

Wettbewerb zu verteilen hatte. Doch der Tanzlehrer zwirbelte den Schnurrbart und sagte: »Tut 

mir leid, mein Lieber. Sie fallen nicht unter die Bestimmungen. Sie sind nicht kostümiert. Sie 

sehen nur so aus. Sie sind ein Professional.«

Lenz war, weil er Rheinländer war, leicht erregbar. Aber der Professor blieb hart. »Ich habe 

meine Anweisungen«, erklärte er abschließend.

»Na denn nicht, liebe Tante!« sagte Schulze und machte kehrt. Als er zum Tisch zurückkam, war 

Hagedorn verschwunden.

Johann hockte solo und sprach dem Alkohol zu. »Ein kleines Schulmädchen, in einem kurzen 

Rock und mit einem Ranzen auf dem Rücken, hat ihn weggeholt«, berichtete er. »Es war die 

Dame aus Bremen.«

Sie gingen auf die Suche und gerieten versehentlich an die Tombola. Johann kaufte, auf Toblers 

leisen Befehl, dreißig Lose. Acht Gewinne waren darunter! Und zwar eine gerahmte 

Alpenlandschaft, die von einem einheimischen Ölmaler stammte. Ein großer Teddybär, der 

»Muh!« sagen konnte. Eine Flasche Kölnischwasser. Noch eine Flasche Kölnischwasser. Noch 

ein Teddybär. Eine Rolle Papierschlangen. Ein Karton Briefpapier. Und noch eine Flasche 

Kölnischwasser.

Sie beluden sich mit den Gewinnen und ließen im Nebenraum eine Blitzlichtaufnahme machen. 

»Des Jägers Heimkehr«, meinte der Geheimrat. Und dann drängten sie sich weiter durch das 

Gewühl. Von Saal zu Saal. Durch alle Korridore. Aber Hagedorn war nicht zu finden.

»Wir müssen ihn finden, Johann«, sagte der Geheimrat. »Das Bremer Schulmädchen hat ihn 

natürlich verschleppt. Dabei hat er mich auf beiden Knien beschworen, ihm eine Art Mutter zu 

sein.«

In der Bar war der verlorene Sohn auch nicht. Johann nahm die Gelegenheit wahr und begann 

die Gewinne wegzuschenken. Das Kölnischwasser fand bei den Bauernmädchen reißenden 

Absatz. Eine der Holländerinnen bekam ungefragt die ölgemalte Alpenlandschaft in die Hand 

gedrückt und bedankte sich holländisch. »Wir verstehen dich ja doch nicht«, erwiderte Johann 

unwillig, gab ihr den Karton mit dem Briefpapier als Zugabe und sagte: »Kein Wort weiter!«

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