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Добавлен: 09.04.2021

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Wirklichkeit ist.

Wir suchten den Herrn Geheimrat in seinem Zimmer. Und das ist wohl das Verheerendste, was 

sich denken läßt. Dieses Zimmer liegt im fünften Stock, hat lauter schiefe Wände und ist 

überhaupt kein Zimmer, sondern eine Rumpelkammer mit Bett. Es gibt keinen Ofen und nichts. 

Das Fenster ist direkt überm Kopf. Der Schnee tropft herein und wird zu kleinen Eiszapfen. Ein 

Schrank ist keiner da. Sondern die Wäsche liegt auf dem Tisch und in dem Spankorb, den Sie ja 

kennen.

Wenn Sie diese hundekalte, elende Bude sehen würden, fielen Sie sofort um. Von Frau Kunkel 

gar nicht zu reden.

Ich habe selbstverständlich sofort aufgeräumt. Und Zigarren und Äpfel auf den Tisch gelegt. 

Nebst einer Vase mit Tannenzweigen drin. Als Schmuck. Morgen kauf ich eine elektrische 

Heizsonne im Ort. Hoffentlich gibt es eine solche. Die stelle ich heimlich hin. Ein Kontakt ist da. 

Heute hat mich niemand gesehen. Das ist ein Glück. Denn der Herr Geheimrat will nicht, daß ich 

hinaufkomme. Weil ich ein reicher Mann sein muß. Und weil ich nicht merken soll, wie er 

wohnt. Er hat mir nämlich erzählt, sein Zimmer sei reizend und luftig. Luftig ist es ja wirklich. 

Wenn er uns bloß nicht krank wird!

Nicht einmal die Zimmernummer hat er mir gesagt! Das Zimmer hat gar keine Nummer. Aber er 

verschwieg sie nicht nur deswegen, sondern auch, damit ich die Rumpelkammer nicht finde. Er 

hätte sie allerdings auch nicht sagen können, wenn er gewollt hätte. Doch er wollte ja gar nicht.

Ich weiß kaum, was ich machen soll. Denn wenn ich ihn bitte, umzuziehen oder abzureisen, wird 

er mich wieder beschimpfen. Oder ich muß sofort nach Berlin zurück, und was soll dann 

werden? Sie kennen ihn ja.

Wenn auch nicht so lange wie ich. In dieser Rumpelkammer würde bestimmt kein Diener 

wohnen bleiben, sondern beim Arbeitsgericht klagen.

Über mich ist nichts weiter zu erzählen. Heute früh hatte ich die erste Skistunde. Die Bretteln 

sind sehr teuer. Doch mir kann es nur recht sein. Ich soll ja das Geld hinauswerfen. Der Skilehrer 

heißt Toni Graswander. Toni ist Anton. Ich habe ihn gefragt. — Er hat mir auf einer 

Übungswiese gezeigt, wie man's machen soll. Das Absatzheben und die Stöcke und andere 

Dinge. Leider lag die Wiese auf einem Berg. Und plötzlich fuhr ich ab, obwohl ich gar nicht 

wollte. Es hat sicher sehr komisch ausgesehen. Trotzdem hatte ich Angst, weil es so rasch fuhr. 

Ich bin, glaube ich, bloß vor Schreck nicht hingefallen. Zum Glück waren keine Bäume in der 

Gegend. Ich sauste sehr lange bergab. Dann fuhr ich über eine große Wurzel. Und sprang hoch. 

Und fiel mit dem Kopf in den Schnee. Mindestens einen Meter tief.

Später wurde ich von zwei Herren herausgezogen. Sonst wäre ich eventuell erstickt. Die zwei 

Herren waren der Herr Geheimrat und der Doktor Hagedorn. Das war sicher Schicksal. Finden 

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Sie nicht auch? Morgen habe ich die zweite Stunde. Das hilft nun alles nichts.

Liebes Fräulein Hilde, jetzt ziehe ich den Smoking an und gehe zum Abendessen. Vorläufig die 

herzlichsten Grüße. Ich lasse das Kuvert offen. Womöglich ist schon wieder etwas Neues 

eingetreten. Hoffentlich nein. Also bis nachher.«

Das Abendessen verlief ohne Störungen. Hagedorn bekam Nudeln mit Rindfleisch. Die 

Herrschaften, die an den Nachbartischen saßen und Hors d'ceuvres und gestowte Rebhühner 

verzehrten, blickten auf Hagedorns Terrine, als sei Nudelsuppe mit Rindfleisch die 

ausgefallenste Delikatesse.

Schulze bekam einen Teller ab, weil er sagte, er esse es für sein Leben gern. Dann ging er 

schlafen. Er war müde.

Als er in seine Dachkammer trat, staunte er nicht wenig. Er kannte sich nicht mehr aus, 

bewunderte die Ordnung, beschnupperte die Zigarren und Äpfel und streichelte die 

Tannenzweige. Die Gummiwärmflasche schob er verächtlich beiseite. Aber die Kamelhaardecke 

breitete er übers Bett.

Er war über Johanns heimliche Fürsorge gerührt, nahm sich jedoch vor, Herrn Kesselhuth am 

nächsten Tag auszuzanken. Dann kleidete er sich zum Schlafengehen an, holte einen der Äpfel 

vom Tisch, kroch ins Bett, löschte das Licht aus und biß begeistert in den Apfel hinein.

Es war fast wie in der Kindheit. —

Hagedorn und Kesselhuth saßen noch in der Halle und rauchten Zigarren. Sie schauten dem 

eleganten Treiben zu. Karl der Kühne kam an den Tisch und erkundigte sich, ob die Herren den 

Tag angenehm verbracht hätten. Dann entfernte er sich wieder, um andere Gäste zu begrüßen 

und um sich in der Bar als Tänzer zu betätigen. Fräulein Marek tanzte mit ihm am liebsten.

Hagedorn erzählte sein Erlebnis von der Eisbahn. Herr Kesselhuth geriet vollkommen außer 

sich. Er war unfähig, sich noch zu unterhalten, entschuldigte sich und ging stracks in sein 

Zimmer.

Hagedorn wurde etwas später von einem schlesischen Fabrikanten ins Gespräch gezogen, der 

herausfinden wollte, ob der junge Millionär geneigt sei, sich mit etlichen hunderttausend Mark 

an der Wiedereröffnung einer vor Jahren stillgelegten Großspinnerei zu beteiligen. Hagedorn 

betonte unentwegt, daß er keinen Pfennig Geld besitze. Aber Herr Spalteholz hielt das für 

Ausflüchte und pries die Gewinnmöglichkeiten in immer glühenderen Farben. Schließlich lud er 

den Herrn Doktor in die Bar ein. Hagedorn lief geduldig mit. Um den reichlich zwecklosen 

Gesprächen zu entgehen, tanzte er abwechselnd mit Frau von Mallebré und Frau Casparius. Herr 

Spalteholz aus Gleiwitz saß meistens allein am Tisch und lächelte gewinnend.

Hagedorn merkte allmählich, daß es sich lohnte, bald mit der einen, bald mit der anderen Dame 

zu tanzen. Die Eifersucht wuchs. Die Rivalin trat in den Vordergrund. Und der Mann, um den 

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sich's drehte, wurde Nebensache.

Er verschwand, ohne sich lange zu verabschieden, besuchte rasch noch den Schneemann 

Kasimir, verschönte ihn durch einen Schnurrbart aus zwei Raubvogelfedern, die er im Walde 

gefunden hatte, und ging in sein Appartement. Auch er war müde.

Inzwischen beendete Johann den Brief an Fräulein Tobler. Der Schluß lautete folgendermaßen:

»Ich habe schon wieder etwas erfahren. Etwas Entsetzliches, gnädiges Fräulein! Am Nachmittag 

hat der Portier, ein widerlicher Kerl, den Herrn Geheimrat auf die Eisbahn geschickt. Dort mußte 

er mit einem gewissen Sepp Schnee schippen. Ist es nicht grauenhaft, daß ein so gebildeter Mann 

wie Ihr Herr Vater in einem Hotel als Straßenkehrer beschäftigt wird? Der Herr Geheimrat soll 

allerdings sehr gelacht haben. Und er hat dem Doktor Hagedorn verboten, etwas dagegen zu 

unternehmen. Dabei könnte der Herr Doktor sehr viel erreichen, da man ihn ja für den Millionär 

hält.

Ich bin restlos durcheinander, liebes Fräulein Hilde! Soll ich mich hineinmischen? Ihr Herr Vater 

tut ja trotzdem, was er will. Schreiben Sie mir doch bitte umgehend! Falls Sie es für richtig 

halten sollten, werde ich mit dem Herrn Geheimrat furchtbar zanken und verlangen, daß er ein 

anderes Zimmer nimmt oder abreist oder sich zu erkennen gibt. Der Herr Doktor sagt selber: 

Wenn das so weitergeht, muß Schulze nächstens die Treppen scheuern und Kartoffeln schälen. 

Glauben Sie das auch? Der Herr Geheimrat soll in Bruckbeuren scheuern? Er hat doch keine 

Ahnung, wie das gemacht wird!

Ich warte dringend auf Nachricht von Ihnen und verbleibe mit den besten Grüßen

                                                                   Ihr unverbrüchlicher Johann Kesselhuth.«

Das elfte Kapitel 

Der einsame Schlittschuhläufer

Am nächsten Morgen frühstückten die drei Männer gemeinsam. Der Tag war noch schöner als 

der vorige. Es hatte nachts nicht geschneit. Die Luft war frostklar. Die Sonne malte tiefblaue 

Schatten in den Schnee. Und der Oberkellner teilte mit, daß soeben vom Wolkenstein herrlichste 

Fernsicht gemeldet worden sei. Die Gäste wimmelten im Frühstückssaal wie ein 

Nomadenstamm, der zur Völkerwanderung aufbricht.

»Was unternimmt man heute?« fragte Schulze. Dann holte er, mit gespielter Umständlichkeit, 

eine Zigarre hervor, zündete sie an und musterte, über das brennende Streichholz hinweg, den 

edlen Spender.

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Johann wurde rot. Er griff in die Tasche und legte drei Billetts auf den Tisch. »Wenn es Ihnen 

recht ist«, sagte er, »fahren wir mit der Drahtseilbahn auf den Wolkenstein. Ich habe mir erlaubt, 

Fahr- und Platzkarten zu besorgen. Der Andrang ist sehr groß. In einer halben Stunde sind wir 

dran. Allein möchte ich nicht fahren. Haben Sie Lust mitzukommen? Mittags muß ich allerdings 

wieder zurück. Wegen der zweiten Skistunde.«

Dreißig Minuten später schwebten sie in einem rhombischen Kasten, der fünfzehn Personen 

faßte, über den waldigen Hügeln, die dem Wolkenstein vorgelagert sind, und fuhren in einem 

ziemlich steilen Winkel in den Himmel empor.

So oft sie einen der betonierten Riesenmasten passierten, schwankte der Kasten bedenklich, und 

einige der eleganten Sportsleute wurden unter der braunen Gesichtsfarbe blaß.

Die Landschaft, auf die man hinunterblickte, wurde immer gewagter. Und der Horizont wich 

immer weiter zurück. Die Abgründe vertieften sich. Die Baumgrenze wurde überquert. 

Sturzbäche fielen an schroffen Felswänden hinab ins Ungewisse.

Im Schnee sah man Wildspuren.

Endlich, nach dem siebenten Pfeiler, waren die Abgründe überwunden. Die Erde kam wieder 

näher. Die Landschaft nahm, auf einer höheren Ebene, wieder gemäßigte Formen an. Und die 

sonnenüberglänzten, weißen Hänge wimmelten von Skifahrern.

»Es sieht aus wie weißer Musselin mit schwarzen Tupfen«, sagte eine Frau. Die meisten 

Fahrgäste lachten. Aber sie hatte recht.

Kurz darauf gab es einen letzten herzhaften Ruck, und die Endstation, zwölfhundert Meter über 

Bruckbeuren, war erreicht. Die Passagiere stolperten, von der Fahrt und der dünnen Luft 

benommen, ins Freie, bemächtigten sich ihrer Schneeschuhe, schulterten sie und kletterten zum 

Berghotel Wolkenstein hinauf, um von dort aus eine der gepriesenen fünfundvierzig Abfahrten 

in Angriff zu nehmen.

Wohin man sah, zogen Schneeschuhkarawanen. Noch an den fernsten Steilhängen sausten 

winzige Skirudel zu Tale. Vor den Veranden des Hotels standen Touristen in Scharen und 

bohnerten ihre Bretteln; denn hier oben hatte es nachts Neuschnee gegeben.

Nur auf der großen hölzernen Sonnenterrasse ging es friedlich zu. Hier gab es lange Reihen von 

Liegestühlen. Und in diesen Liegestühlen schmorten eingeölte Gesichter und Unterarme.

»Fünfzehn Grad unter Null«, sagte das eine Gesicht. »Und trotzdem kriegt man den 

Sonnenstich.«

»Tun Sie, was Sie nicht lassen können«, erklärte ein anderes krebsrotes Gesicht.

Schulze hielt seine Begleiter fest. »Meine Herren«, meinte er, »jetzt kaufen wir uns ein 

Fläschchen Nußöl, salben alles, was aus dem Anzug herausguckt, und pflanzen uns hin.«

Hagedorn verschwand im Haus und besorgte Öl. Kesselhuth und Schulze annektierten drei 

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Liegestühle. Dann fetteten sie sich ein und ließen sich rösten.

»Der reinste Grill-Room«, behauptete Schulze.

Wenn man die Augen halb öffnete, erblickte man unabsehbare Gipfelketten, in vielen 

Zackenreihen hintereinander geschichtet, und dort, wo sie mit dem Firmament zusammenstießen, 

blitzte, durch die gesenkten Wimpern, ein eisiges Feuerwerk aus Gletschern und Sonne.

Eine Stunde hielten sie das Gebratenwerden aus, dann erhoben sie sich. Sie lobten wechselseitig 

ihre Hautfarbe, tranken Limonade und ergingen sich.

Kesselhuth ließ sich von einem steinalten Fernrohrbesitzer die bekanntesten Berge zeigen und 

ruhte nicht, bis er Gemsen gesehen hatte. Es konnte auch ein Irrtum gewesen sein.

Die unermüdliche Drahtseilbahn spie immer neue Skifahrer aus. Die schmalen, von hohen 

Schneemauern eingesäumten Wege waren belebter als die Straßen der Weltstädte. Und nachdem 

es einer schicken jungen Dame, die ihre Schneeschuhe geschultert trug, mit Hilfe einer 

unbedachten Wendung gelungen war, Herrn Schulze die Pudelmütze vom Kopf zu schlagen, 

gaben sie die Wanderung durch die Stille der Natur auf. Der Verkehr war lebensgefährlich.

Als sie in den Wagen der Drahtseilbahn steigen wollten, stießen sie mit Frau Casparius 

zusammen. Sie war eben angekommen. Der dicke Herr Lenz schleppte seine und ihre 

Schneeschuhe und dampfte.

Die Bremer Blondine trat zu Hagedorn und brachte ihren schwungvollen Jumper zur Geltung. 

»Sie kommen doch heute abend zu dem Kostümfest?« sagte sie. Dann nickte sie und stiefelte 

betont burschikos bergan.

Nach dem Mittagessen wurde Kesselhuth feierlich vom Graswander Toni abgeholt.

»Bittschön«, sagte der Toni. »Es ist wegen der Regelmäßigkeit. Gehn wir!«

Johann nickte, trank einen Schluck Kaffee und zog an seiner Zigarre

.

»Sie sollten über Tag nicht rauchen«, erklärte der Toni. »Das ist unsportlich, bittschön.«

Kesselhuth legte folgsam die Zigarre

beiseite und stand auf.

»Please, Sir«, 

sagte der Toni und trollte sich.

Herr Kesselhuth verabschiedete sich traurig und trabte hinter dem Skilehrer her.

»Als ob er zur Schlachtbank geführt würde«, meinte Hagedorn. »Aber der Skianzug ist 

fabelhaft!«

»Kein Wunder«, sagte Schulze stolz. »Er ist ja auch bei meinem Schneider gearbeitet worden.«

Hagedorn lachte herzlich und fand die Bemerkung großartig.

Geheimrat Tobler war froh, daß seine unbedachte Äußerung als Witz aufgenommen worden war, 

und lachte, allerdings ein bißchen krampfhaft, mit. Dann blieb er jedoch nicht mehr lange sitzen 

und sagte: »Mahlzeit! Jetzt geht Papa Schlittschuh laufen.«

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