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Добавлен: 09.04.2021

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In ihren Augen standen Tränen.

Nun war er nicht mehr zu halten. Er bückte sich, packte zu, zog sie aus der Schneewehe, umfing 

sie mit beiden Armen und küßte sie auf den Mund.

Später sagte sie: »Du Schuft! Du Kanaille! Du Halunke! Du Mädchenhändler!« Und dann gab 

sie ihm den Kuß, ohne Abzüge, zurück. Hierbei hämmerte sie anfangs mit ihren kleinen Fäusten 

auf seinen Schultern

herum. Später öffneten sich die Fäuste. Dafür schlössen sich, ganz allmählich, ihre Augen. Noch 

immer hingen kleine Tränen in den langen, dunklen Wimpern.

»Na, wie war's?« fragte Schulze, als sie wiederkamen.

»Das läßt sich schwer beschreiben«, sagte Hagedorn.

»Ja, ja«, meinte Herr Kesselhuth verständnisvoll. »Diese Gletscher und Durchblicke und 

Schneefelder überall! Da fehlen einem die Worte.«

»Vor allem die Schneefelder!« bestätigte der junge Mann. Hilde sah ihn streng an.

Tante Julchen erwachte gerade. Ihr Gesicht war rotgebrannt. Sie gähnte und rieb sich die Augen.

Hilde setzte sich und sagte: »Komm, Fritz! Neben mir ist noch ein Platz frei.«

Die Tante fuhr elektrisiert hoch. »Was ist denn passiert?«

»Nichts Außergewöhnliches«, meinte das junge Mädchen.

»Aber du duzt ihn ja!« rief die alte Frau.

»Ich nehme das Ihrer Nichte nicht weiter übel«, bemerkte Hagedorn.

»Er duzt mich ja auch!« sagte Hilde.

»Es ist an dem«, erklärte Fritz. »Hilde und ich haben beschlossen, während der nächsten fünfzig 

Jahre zueinander du zu sagen«.

»Und dann?« fragte Tante Julchen.

»Dann lassen wir uns scheiden«, behauptete die Nichte.

»Meine herzlichsten Glückwünsche!« rief Herr Kesselhuth erfreut.

Während die Tante noch immer nach Luft rang, fragte Schulze: »Liebes Fräulein, haben Sie 

zufällig irgendwelche Angehörigen?«

»Ich bin so frei«, erklärte das junge Mädchen. »Ich bin zufällig im Besitz eines Vaters.«

Hagedorn fand das sehr gelungen. »Ist er wenigstens nett?« fragte er.

»Es läßt sich mit ihm auskommen«, meinte Hilde. »Er hat glücklicherweise sehr viele Fehler. 

Das hat seine väterliche Autorität restlos untergraben.«

»Und wenn er mich nun absolut nicht leiden kann?« fragte der junge Mann bekümmert. 

»Vielleicht will er, daß du einen Bankdirektor heiratest. Oder einen Tierarzt aus der 

Nachbarschaft. Oder einen Studienrat, der ihm jeden Morgen in der Straßenbahn gegenüber sitzt. 

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Das ist alles schon vorgekommen. Na, und wenn er erst hört, daß ich nicht einmal eine 

Anstellung habe!«

»Du wirst schon eine finden«, tröstete Hilde. »Und wenn er dann noch etwas dagegen hat, 

grüßen wir ihn auf der Straße nicht mehr. Das kann er nämlich nicht leiden.«

»Oder wir machen ihn so rasch wie möglich zum zehnfachen Großvater«, erwog Fritz. »Und 

dann stekken wir alle zehn Kinder in seinen Briefkasten. Das wirkt immer.«

Tante Julchen riß den Mund auf und hielt sich die Ohren zu.

Schulze sagte: »So ist's recht! Ihr werdet ihn schon kleinkriegen, den ollen Kerl!«

Herr Kesselhuth hob abwehrend die Hand. »Sie sollten von Herrn Schulze nicht so abfällig 

sprechen, Herr Schulze!«

Tante Julchen wurde es zuviel. Sie stand auf und wollte nach Bruckbeuren zurück. »Aber mit der 

Drahtseilbahn fahre ich nicht!«

»Zu Fuß ist die Strecke noch viel gefährlicher«, sagte Hagedorn. »Außerdem dauert es vier 

Stunden.«

»Dann bleibe ich hier oben und warte bis zum Frühling«, erklärte die Tante kategorisch.

»Ich habe doch aber schon die Rückfahrkarten gelöst!« meinte Herr Kesselhuth. »Soll denn Ihr 

Billett verfallen?«

Tante Julchen rang mit sich. Es war ergreifend anzusehen. Endlich sagte sie: »Das ist natürlich 

etwas anderes.« Und dann schritt sie als erste zur Station.

Sparsamkeit macht Helden.

Das siebzehnte Kapitel 

Hoffnungen und Entwürfe

Am frühen Nachmittag, während die älteren Herrschaften je ein Schläfchen absolvierten, gingen 

Hildegard und Fritz in den Wald. Sie faßten sich bei den Händen. Sie blickten einander von Zeit 

zu Zeit lächelnd an. Sie blieben manchmal stehen, küßten sich und strichen einander zärtlich 

übers Haar. Sie spielten Haschen. Sie schwiegen meist und hätten jede Tanne umarmen mögen. 

Das Glück lastete auf ihren Schultern wie viele Zentner Konfekt.

Fritz meinte nachdenklich: »Eigentlich sind wir doch zwei ziemlich gescheite Lebewesen. Ich 

unterstelle es jedenfalls als wahr. Wie kommt es dann, daß wir uns genauso albern benehmen 

wie andere Liebespaare? Wir halten uns an den Händchen. Wir stolpern Arm in Arm durch die 

kahle Natur. Wir bissen einander am liebsten die Nasenspitze ab. Ist das nicht idiotisch? Frollein, 

ich bitte um Ihre unmaßgebliche Stellungnahme!«

Hilde kreuzte die Arme vor der Brust, verneigte sich dreimal und sagte: »Erhabener Sultan, 

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gestatte deiner sehr unwürdigen Dienerin die Bemerkung, daß die Klugheit im Liebeskonzert der 

Völker noch nie die erste Geige spielte.«

»Stehen Sie auf, teuerste Gräfin!« rief er pathetisch, obwohl sie gar nicht kniete. »Stehen Sie 

auf! Wer so klug ist, daß er die Grenzen der Klugheit erkennt, muß belohnt werden. Ich ernenne 

Sie hiermit zu meiner Kammerzofe 

à la suite!«

Sie machte einen Hofknicks. »Ich werde sogleich vor Rührung weinen, Majestät, und bitte, in 

meinen Tränen baden zu dürfen.«

»Es sei!« erklärte er königlich. »Erkälten Sie sich aber nicht!«

»Keineswegs, Meister«, sagte sie. »Die Temperatur meiner Zähren pflegt erfahrungsgemäß 

zwischen sechsundzwanzig und achtundzwanzig Grad Celsius zu schwanken.«

»Wohlan!« rief er. »Und wann treten Sie Ihren Dienst an meinem Hofe an?«

»Sobald du willst«, erklärte sie. Dann begann sie plötzlich, trotz der Nagelschuhe, zu tanzen. »Es 

handelt sich um den Sterbenden Schwan«, fügte sie erläuternd hinzu. »Ich bitte besonders auf 

meinen langen Hals zu achten.«

»Tanzen Sie weiter!« meinte er. »Ich hole Sie abends wieder ab.«

Er ging. Sie kam laut heulend hinter ihm her und gab vor, sich zu fürchten. Er nahm sie bei der 

Hand und sagte: »Törichtes Kind!«

»Aber der Schwan ist doch gestorben«, erklärte sie eifrig. »Und mit einem so großen toten Vogel 

allein im Wald — huhuhu!«

Er gab ihr einen Klaps, und dann setzten sie den Weg fort. Nach einiger Zeit wurde er ernst. 

»Wieviel Geld muß ich verdienen, damit wir heiraten können? Bist du sehr anspruchsvoll? Was 

kostet der Ring, den du am Finger hast?«

»Zweitausend Mark.«

»Ach, du grüne Neune«, rief er. 

»Das ist doch schön«, meinte sie. »Den können wir versetzen!«

»Ich werde dich gleich übers Knie legen! Wir werden nicht von dem leben, was du versetzt, 

sondern von dem, was ich verdiene.«

Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Aha! Das könnte dir so passen! Du widerwärtiger Egoist! 

Alle Männer sind Egoisten. Ich habe ein Buch gelesen. Da stand es drin. ‚Das Wirtschaftsgeld 

und die Monogamie’ hieß das Buch. Ihr seid ein heimtückisches, kleinliches Geschlecht, brrr!« 

Sie schüttelte sich wie ein nasser Pudel. »Vier Monate lang könnten wir von dem Ring leben! In 

einer Dreizimmerwohnung mit indirekter Beleuchtung! Zentralheizung und Fahrstuhl inklusive! 

Und sonntags könnten wir miteinander zum Fenster hinausgucken! Aber nein! Lieber stopfst du 

mich in eine Konservenbüchse wie junges Gemüse. Bis ich einen grauen Bart kriege. Ich bin 

aber kein junges Gemüse!«

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»Doch«, wagte er zu bemerken.

»Ich schmeiße den blöden Ring in den Schnee!« rief sie. Und sie tat es wirklich. Anschließend 

krochen sie auf allen vieren im Wald umher. Endlich fand er den Ring wieder.

»Ätsch!« machte sie. »Nun gehört er dir!«

Er steckte ihn an ihren Finger und sagte: »Ich borge ihn dir bis auf weiteres.« Nach einer Weile 

fragte er: »Du glaubst also, daß wir mit fünfhundert Mark im Monat auskommen?«

»Na klar.«

»Und wenn ich weniger verdiene?«

»Dann kommen wir mit weniger aus«, meinte sie überzeugt. »Du darfst das Geld nicht so ernst 

nehmen, Fritz. Wenn alle Stränge reißen, pumpen wir meinen Vater an. Damit er weiß, wozu er 

auf der Welt ist.«

»Du bist wahnwitzig«, sagte er. »Du verstehst nichts von Geld. Und von Männern verstehst du 

noch weniger. Dein Vater könnte der Schah von Persien sein — ich nähme keinen Pfennig von 

ihm geschenkt.«

Sie hob sich auf die Zehenspitzen und flüsterte ihm ins Ohr: »Liebling, mein Vater ist doch aber 

gar nicht der Schah von Persien!«

»Da haben wir's«, sagte er. »Da siehst du wieder einmal, daß ich immer recht habe.«

»Du bist ein Dickschädel«, erwiderte sie. »Zur Strafe fällt Klein-Hildegard nunmehr in eine tiefe 

Ohnmacht.« Sie machte sich stocksteif, kippte in seine ausgebreiteten Arme, blinzelte vorsichtig 

durch die gesenkten Lider und spitzte die Lippen. (Nicht etwa, um zu pfeifen.)

Inzwischen hatten die älteren Herrschaften das Nachmittagsschläfchen erfolgreich beendet. 

Johann stieg, über die Dienstbotentreppe, ins fünfte Stockwerk und brachte Blumen, eine Kiste 

Zigarren

frische Rasierklingen, sowie Geheimrat Toblers violette Hose, die er gebügelt hatte.

Der Geheimrat stand ohne Beinkleider in seinem elektrisch geheizten Dachstübchen und sagte: 

»Deswegen suche ich wie ein Irrer! Ich wollte gerade in Unterhosen zum Fünfuhrtee gehen.«

»Ich habe die Hose, während Sie schliefen, aus Ihrem Zimmer geholt. Sie sah skandalös aus.«

»Hauptsache, daß sie Ihnen jetzt gefällt«, meinte Tobler. Er kleidete sich an. Johann bürstete ihm 

Jackett und Schuhe. Dann gingen sie und klopften unterwegs an Frau Kunkels Zimmer. Tante 

Julchen rauschte imposant in den Korridor.

»Sie haben sich ja geschminkt!« meinte Johann.

»Ein ganz kleines bißchen«, sagte sie. »Man fällt sonst aus dem Rahmen. Wir können schließlich 

nicht alle miteinander wie die Vagabunden herumlaufen! Herr Geheimrat, ich habe ein paar 

Anzüge mitgebracht. Wollen Sie sich nicht endlich umziehen? Heute früh haben die Leute oben 

auf dem hohen Berg gräßliche Bemerkungen gemacht.«

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»Halten Sie den Mund, Kunkel!« befahl Tobler. »Es ist egal!«

»Ein Herr mit einer Hornbrille hat gesagt: ‚Wenn man den Kerl ins Kornfeld stellt, fliegen alle 

Vögel fort!’ Und eine Dame ...«

»Sie sollen den Mund halten!« knurrte Johann.

»Die Dame sagte: >So etwas müßte der Verkehrsverein narkotisieren und heimschicken^«

»Ein rohes Frauenzimmer!« meinte der Geheimrat. »Aber so sind die Menschen.«

Dann tranken sie in der Halle Kaffee. Frau Kunkel aß Torte und sah den Tanzpaaren zu. Die 

beiden Männer lasen Zeitung und rauchten schwarze Zigarren.

Plötzlich trat ein Boy an den Tisch und sagte: »Herr Schulze, Sie sollen mal zum Herrn Portier 

kommen!«

Tobler, der, in Gedanken versunken, Zeitung las, meinte: »Johann, sehen Sie nach, was er will!«

»Schrecklich gern«, flüsterte Herr Kesselhuth. »Aber das geht doch nicht.«

Der Geheimrat legte das Blatt beiseite. »Das geht wirklich nicht.« Er blickte den Boy an. »Einen 

schönen Gruß, und ich läse Zeitung. Wenn der Herr Portier etwas von mir will, soll er 

herkommen.«

Der Junge machte ein dämliches Gesicht und verschwand. Der Geheimrat griff erneut zur 

Zeitung. Frau Kunkel und Johann blickten gespannt zur Portierloge hinüber.

Kurz darauf kam Onkel Folter an. »Ich höre, daß Sie sehr beschäftigt sind«, meinte er mürrisch.

Tobler nickte gleichmütig und las weiter.

»Wie lange kann das dauern?« fragte der Portier und bekam rote Backen.

»Schwer zu sagen«, meinte Tobler. »Ich bin erst beim Leitartikel.«

Der Portier schwitzte schon. »Die Hoteldirektion wollte Sie um eine kleine Gefälligkeit bitten.«

»Oh, darf ich endlich den Schornstein fegen?«

»Sie sollen für ein paar Stunden die Skihalle beaufsichtigen. Bis die letzten Gäste herein sind. 

Der Sepp ist verhindert.«

»Hat er die Masern?« fragte der andere. »Sollte ihn das Kind der Botenfrau angesteckt haben?«

Der Portier knirschte mit den Zähnen. »Die Gründe tun nichts zur Sache. Dürfen wir auf Sie 

zählen?«

Herr Schulze schüttelte den Kopf. Er schien die Absage selber zu bedauern. »Ich mag heute 

nicht. Vielleicht ein andermal.«

Die Umsitzenden spitzten die Ohren. Frau Casparius, die an einem der Nebentische saß, reckte 

den Hals.

Onkel Folter senkte die Stimme. »Ist das Ihr letztes Wort?«

»In der Tat«, versicherte Schulze. »Sie wissen, wie gern ich Ihrem offensichtlichen 

Personalmangel abhelfe. Aber heute bin ich nicht in der richtigen Stimmung. Ich glaube, das 

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