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Добавлен: 09.04.2021

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Barometer fällt. Ich bin ein sensibler Mensch. Guten Abend!«

Der Portier trat noch einen Schritt näher. »Folgen Sie mir endlich!« Hierbei legte er seine Rechte 

auf Schutzes Schulter. »Ein bißchen plötzlich, bitte!«

Da aber drehte sich Schulze herum und schlug dem Portier energisch auf die Finger. »Nehmen 

Sie sofort die Hand von meinem Anzug!« fügte er drohend hinzu. »Ich möchte Sie darauf 

aufmerksam machen, daß ich jähzornig bin.«

Der Portier bekam Fäuste. Sein Atem pfiff. Er erinnerte an eine Kaffeemaschine, die den 

Siedepunkt erreicht hat. Aber er sagte nur: »Wir sprechen uns noch.« Dann ging er. An den 

Nebentischen wurde erregt geflüstert. Die Augen der Bremer Blondine schillerten giftig.

»Hätten Sie ihm doch eine geklebt«, meinte Tante Julchen. »Es ist immer dasselbe, Herr 

Geheimrat. Sie sind zu gutmütig.«

»Ruhe!« flüsterte Tobler. »Die Kinder kommen.«

Als sich Doktor Hagedorn fürs Abendessen umkleidete, brachte der Liftboy einen 

Einschreibebrief und, mit Empfehlungen vom Portier, ein paar ausländische Briefmarken. Fritz 

quittierte. Dann öffnete er den Umschlag. Wer schickte ihm denn Einschreibebriefe nach 

Bruckbeuren? Er stolperte lesend über den Teppich. Er fiel aufs Sofa, mitten zwischen die drei 

spielenden Katzen, und starrte hypnotisiert auf das Schreiben. Dann drehte er das Kuvert um. Ein 

Stück Papier rutschte heraus. Ein Scheck über fünfhundert Mark! Er fuhr sich aufgeregt durchs 

Haar.

Eine der Katzen kletterte auf seine Schulter, rieb ihren Kopf an seinem Ohr und schnurrte. Er 

stand auf, hielt sich, weil ihm schwindelte, am Tisch fest und trat langsam zum Fenster. Vor ihm 

lagen der verschneite Park, die spiegelglatte Eisbahn, die Skihalle mit dem weißen Dach. Ein 

paar Liegestühle waren vergessen worden. Hagedorn sah nichts von alledem.

Die Katze krallte sich ängstlich in dem blauen Jackett fest. Sie machte einen Buckel. Er lief 

kreuz und quer durchs Zimmer. Sie miaute kläglich. Er nahm sie von seiner Schulter, setzte sie 

auf den Rauchtisch und ging weiter. Er bückte sich, nahm den Scheck hoch, den Brief auch. 

Dann sagte er: »Nun ist der Bart ab!« Etwas Passenderes fiel ihm nicht ein.

Plötzlich rannte er aus dem Zimmer. Im Korridor begegnete ihm das Stubenmädchen. Sie blickte 

ihn lächelnd an, wünschte guten Abend und fragte: »Haben der Herr Doktor absichtlich keine 

Krawatte umgebunden?«

Er blieb stehen. »Wie bitte? Ach so. Nein. Danke schön.« Er ging in seine Gemächer zurück. 

Hier begann er zu pfeifen. Etwas später begab er sich, die Tür weit offen lassend, zum Portier 

hinunter und verlangte ein Telegrammformular.

»Entschuldigung, Herr Doktor. Haben Sie absichtlich keine Krawatte umgebunden?«

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»Wieso?« fragte Hagedorn. »Ich war doch extra deswegen noch einmal in meinem Zimmer!« Er 

griff sich an den Hemdkragen und schüttelte den Kopf.

»Tatsächlich! Na, erst muß ich depeschieren.« Er beugte sich über das Formular und adressierte 

es an: »Fleischerei Kuchenbuch, Charlottenburg, Mommsenstraße.« Dann schrieb er: »Anrufe 

Dienstag 10 Uhr stop erbitte Mutter ans Telefon stop vorbereitet freudige Mitteilung. Fritz 

Hagedorn.«

Er reichte das Formular über den Tisch. »Wenn meine Mutter eine Depesche kriegt, denkt sie, 

ich bin unter eine Lawine gekommen. Drum depeschiere ich dem Fleischer von nebenan. Der 

Mann hat Gemüt.«

Der Portier nickte höflich, obwohl er nicht verstand, worum es sich handelte.

Hagedorn ging in den Speisesaal. Die anderen saßen schon bei Tisch. Er sagte: »Mahlzeit!« und 

nahm Platz.

»Haben Sie absichtlich keine Krawatte umgebunden?« fragte Tante Julchen.

»Ich bitte um Nachsicht«, meinte er. »Ich habe heute einen Webefehler.«

»Wovon denn, mein Junge?« erkundigte sich Schulze.

Hagedorn klopfte mit einem Löffel ans Glas. »Wißt ihr, was los ist? Ich bin engagiert! Ich habe 

vom nächsten Ersten ab eine Anstellung! Mit achthundert Mark im Monat! Es ist zum 

Überschnappen! Eduard, hast du noch keinen Brief bekommen? Nein? Dann kriegst du ihn noch. 

Verlaß dich drauf! Man schreibt mir, wir zwei hätten künftig geschäftlich miteinander zu tun. 

Freust du dich, oller Knabe? Hach, ist das Leben schön!« Er blickte den Schifffahrtsbesitzer 

Johann Kesselhuth an. »Haben Sie vielen Dank! Ich bin so glücklich!« Er drückte dem 

soignierten alten Herrn gerührt die Hand. »Eduard, bedanke dich auch!«

Schulze lachte. »Das hätte ich fast vergessen. Also, besten Dank, mein Herr!«

Kesselhuth rutschte verlegen auf seinem Stuhl hin und her. Tante Julchen sah verständnislos von 

einem zum anderen.

Hagedorn griff in die Tasche und legte den Scheck über fünfhundert Mark neben Hildes Teller. 

»Eine Sondergratifikation! Kinder, ist das eine noble Firma! Fünfhundert Mark, noch ehe man 

den kleinen Finger krumm gemacht hat! Der Abteilungschef schreibt, ich möge mich im 

Interesse des Unternehmens bestens erholen. Bestens! Was sagt ihr dazu?«

»Prächtig, prächtig«, meinte Hilde. »Da kannst du morgen gleich deiner Mutter etwas schicken, 

nicht?«

Er nickte. »Jawohl! Zweihundert Mark! Außerdem kommt sie früh zu Kuchenbuchs. Ich erzähle 

ihr alles am Telefon.«

»Kuchenbuchs?« fragte Eduard.

»Das ist der Fleischer, bei dem wir kaufen. Ich habe ihm eben eine Depesche geschickt. Er soll 

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meine Mutter schonend vorbereiten. Sonst erschrickt sie zu Tode.«

Hilde sagte: »Ich gratuliere dir zu deiner Anstellung von ganzem Herzen.«

»Ich dir auch«, antwortete er fröhlich. »Nun kriegst du endlich einen Mann.«

»Wen denn?« fragte Tante Julchen. »Ach, so, ich weiß schon. Na ja. Damit Sie's wissen, Herr 

Doktor, ich bin nicht sehr dafür.«

»Es tut mir leid«, sagte er. »Aber ich kann leider auf Hildes Tanten keine Rücksicht nehmen. 

Das würde zu weit führen. Liebling, ob dein Vater einverstanden sein wird? Achthundert Mark 

sind doch 'ne Stange Geld.«

Frau Kunkel lachte despektierlich.

»Paß mal auf«, sagte Hilde. »Wir werden sogar sparen. Wir brauchen kein Dienstmädchen, 

sondern ich lasse dreimal in der Woche eine Aufwartefrau kommen.«

»Aber wenn der Junge da ist, nehmen wir ein Dienstmädchen«, erklärte Hagedorn besorgt. •;

»Welcher Junge?« fragte die Tante.

»Unser Junge!« sagte Hilde stolz.

»Wir werden ihn Eduard nennen«, bemerkte der künftige Papa. »Im Hinblick auf meinen 

Freund.«

»Und wenn es ein Mädchen ist?« fragte Schulze besorgt.

»Für diesen Fall möchte ich Eduardine vorschlagen«, erklärte Herr Kesselhuth.

»Sie sind ein findiger Kopf«, sagte Schulze anerkennend.

»Es wird bestimmt ein Junge«, versicherte Hagedorn.

Hilde meinte: »Ich habe auch so das Gefühl.« Und dann wurde sie rot bis über beide Ohren.

Tante Julchen rang nach neuem Gesprächsstoff. Sie fragte: »Welche Firma hat Sie denn 

engagiert?«

Hagedorn warf sich in die Brust: »Sie werden staunen, Tantchen. Die Toblerwerke!«

Tante Julchen staunte wirklich. Sie staunte so sehr, daß ihr ein Hühnerknochen in die 

Speiseröhre geriet. Die Augen traten ihr faustdick aus dem Kopf. Sie hustete aus tiefster Seele. 

Man flößte ihr Wasser ein.

Man hielt ihr die Arme hoch. Sie riß sich los, warf einen gequälten Blick auf Herrn Schulze und 

entwich.

»Hat sie das häufig?« fragte Fritz, als sie fort war.

»Seit sie meine Tante ist«, wollte Hilde eigentlich sagen. Aber sie sah die Augen ihres Vaters 

und die des Dieners Johann auf sich gerichtet und erklärte: »Die Freude wird sie überwältigt 

haben.«

Am gleichen Abend fand, eine Stunde später, ein Gespräch statt, das nicht ohne Folgen bleiben 

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sollte. Frau Casparius kam zu Onkel Folter, der hinter seinem Ladentisch saß und eine englische 

Zeitung überflog. »Ich habe mit Ihnen zu reden«, erklärte sie.

Er stand langsam auf. Die Füße taten ihm weh.

»Wir kennen einander seit fünf Jahren, nicht wahr?«

»Jawohl, gnädige Frau. Als Sie das erstemal bei uns waren, wohnten gerade die akademischen 

Skiläufer im Hotel.« Das klang etwas anzüglich.

Sie lächelte, griff in ihre kleine Brokattasche und gab ihm ein Bündel Banknoten. »Es sind 

fünfhundert Mark«, erklärte sie obenhin. »Ich habe die Summe gerade übrig.«

Er nahm das Geld. »Gnädige Frau, verfügen Sie über mich!«

Sie holte eine Zigarette aus dem goldenen Etui. Er gab ihr Feuer. Sie rauchte und blickte ihn 

prüfend an. »Hat sich eigentlich noch keiner der Gäste über Herrn Schulze beschwert?«

»O doch«, sagte er. »Man hat sich wiederholt erkundigt, wieso ein derart abgerissen gekleideter 

Mensch ausgerechnet in unserem Hotel wohnt. Dazu kommt ja noch, daß sich der Mann im 

höchsten Grade unverschämt aufführt. Ich selber hatte heute nachmittag einen Auftritt mit ihm, 

der jeder Beschreibung spottet.«

»Diese Beschreibung wäre zudem überflüssig«, erklärte sie. »Ich saß am Nebentisch. Es war 

skandalös! Sie sollten sich eine solche Unverfrorenheit nicht bieten lassen. Das untergräbt den 

guten Ruf Ihres Hotels.«

Der Portier zuckte die Achseln. »Was kann ich dagegen tun, gnädige Frau? Gast bleibt Gast.«

»Hören Sie zu! Mir liegt daran, daß Herr Schulze umgehend verschwindet. Die Gründe tun 

nichts zur Sache.«

Er verzog keine Miene.

»Sie sind ein intelligenter Mensch«, sagte sie. »Beeinflussen Sie den Hoteldirektor! Übertreiben 

Sie die Beschwerden, die gegen Schulze geführt wurden. Fügen Sie hinzu, daß ich niemals 

wieder hierherkomme, falls nichts unternommen wird. Herr Lenz geht übrigens mit mir 

d'accord.«

»Und was soll praktisch geschehen?«

»Herr Kühne soll morgen dem Schulze vorschlagen, im Interesse der Gäste und des Hotels 

abzureisen. Der Mann ist offensichtlich sehr bedürftig. Bieten Sie ihm eine pekuniäre 

Entschädigung an! Die Höhe der Summe ist mir gleichgültig. Geben Sie ihm dreihundert Mark. 

Das ist für ihn ein Vermögen.«

»Ich verstehe«, meinte der Portier.

»Um so besser«, meinte sie hochmütig. »Was Sie von den fünfhundert Mark übrigbehalten, 

gehört selbstverständlich Ihnen.«

Er verbeugte sich dankend. »Ich werde tun, was in meinen Kräften steht, gnädige Frau.«

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»Noch eins«, sagte sie. »Wenn dieser Herr Schulze morgen nachmittag nicht verschwunden sein 

sollte, reise ich mit dem Abendzug nach Sankt Moritz. Auch das wollen Sie, bitte, Ihrem 

Direktor ausrichten!« Sie nickte flüchtig und ging in die Bar. Das Abendkleid rauschte. Es klang, 

als flüstere es in einem fort seinen Preis.

Das achtzehnte Kapitel 

Zerstörte Illusionen

Am nächsten Morgen kurz nach acht Uhr klingelte es bei Frau Hagedorn in der Mommsenstraße. 

Die alte Dame öffnete.

Draußen stand der Lehrling vom Fleischermeister Kuchenbuch. Er war fast zwei Meter groß und 

wurde Karlchen genannt. »Einen schönen Gruß vom Meister«, sagte Karlchen. »Und um zehn 

Uhr würde der Doktor Hagedorn aus den Alpen anrufen. Sie brauchten aber nicht zu 

erschrecken.«

»Da soll man nicht erschrecken?« fragte die alte Dame.

»Nein. Er hat uns gestern abend ein Telegramm geschickt, und wir sollten Sie, bitte, auf ein 

freudiges Ereignis vorbereiten.«

»Das sieht ihm ähnlich«, sagte die Mutter. »Ein freudiges Ereignis? Ha! Ich komme gleich 

hinunter. Moment mal, ich hole Ihnen einen Sechser. Für den Weg.« Sie verschwand, brachte ein 

Fünfpfennigstück und gab es Karlchen. Er bedankte sich und rannte polternd treppab.

Punkt neun Uhr erschien Frau Hagedorn bei Kuchenbuchs im Laden.

»Karlchen hat natürlich wieder einmal Quatsch gemacht«, meinte die Frau des Fleischermeisters. 

»Sie kommen eine Stunde zu früh.«

»Ich weiß«, sagte Mutter Hagedorn; »Aber ich habe zu Hause keine Ruhe. Vielleicht telefoniert 

er früher. Ich werde Sie gar nicht stören.«

Frau Kuchenbuch lachte gutmütig. Von Stören könne keine Rede sein. Dann gab sie der alten 

Dame die Depesche und lud sie zum Sitzen ein.

»Wie er sich hat!« meinte Frau Hagedorn gereizt. »Er tut ja gerade, als ob ich eine Zimttüte 

wäre. So schnell erschrecke ich nun wirklich nicht.«

»Was mag er nur wollen?« fragte die Meistersfrau.

»Ich bin schrecklich aufgeregt«, stellte die alte Dame fest. Dann kamen Kunden, und sie mußte 

den Mund halten. Sie blickte jede Minute dreimal auf die Wanduhr, die über den Zervelat- und 

Salamiwürsten hing. Kalt war's im Laden. Und die Steinfliesen waren feucht. Draußen war 

Matschwetter.

Als kurz nach zehn Uhr das Telefon klingelte, war sie bereits völlig aufgelöst. Sie lief zittrig 

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