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Certified Tester 

Foundation Level Syllabus 
(Deutschsprachige Ausgabe) 
 

Version 2011  

Seite 31/84 

1.8.2011 

© International Software Testing Qualifications Board 

3  Statischer Test (K2)  

60 Minuten 

Lernziele für den Abschnitt statischer Test 

Die Lernziele legen fest, was Sie nach Beenden des jeweiligen Moduls gelernt haben sollten. 

 
3.1 Statische Prüftechniken und der Testprozess (K2) 

LO-3.1.1  Arbeitsergebnisse  der  Softwareentwicklung,  die  mit  den  verschiedenen  statischen  Prüf-

techniken geprüft werden, erkennen. (K1) 

LO-3.1.2  Bedeutung und Nutzen statischer Methoden für die Bewertung von Arbeitsergebnissen der 

Softwareentwicklung beschreiben können. (K2) 

LO-3.1.3  Unterschiede  zwischen  statischen  und  dynamischen  Techniken  erklären  können,  wobei 

Ziele  und  zu  identifizierende  Fehlerarten  sowie  die  Rolle  dieser  Techniken  im  Softwarele-
benszyklus zu beachten sind. (K2) 

3.2 Reviewprozess (K2) 

LO-3.2.1  Aktivitäten,  Rollen  und  Verantwortlichkeiten  eines  typischen  formalen  Reviews  wiederge-

ben können. (K1) 

LO-3.2.2  Unterschiede  zwischen  den  verschiedenen  Reviewarten  (informelles  Review,  technisches 

Review, Walkthrough und Inspektion) erklären können. (K2) 

LO-3.2.3  Faktoren für die erfolgreiche Durchführung eines Reviews erklären können. (K2) 
 

3.3 Werkzeuggestützte statische Analyse (K2) 

LO-3.3.1  Typische Fehlerzustände

und Fehler wiedergeben können, die durch eine statische Analy-

se  identifiziert  werden  können,  und  sie  mit  Reviews  und  dynamischen  Tests  vergleichen. 
(K1) 

LO-3.3.2  Den typischen Nutzen der statischen Analyse anhand von Beispielen beschreiben können. 

(K2) 

LO-3.3.3  Typische  Fehlerzustände  im  Quellcode  und  Entwurf,  die  durch  eine  werkzeuggestützte 

statische Analyse identifiziert werden können, auflisten. (K1) 


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(Deutschsprachige Ausgabe) 
 

Version 2011  

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3.1  Statische Prüftechniken und der Testpro-

zess (K2)  

15 Minuten 

 
Begriffe 
Dynamisches Testen, statischer Test  
 
Hintergrund 

Anders als das dynamische Testen, welches die Ausführung der Software voraussetzt, beruhen stati-
sche  Prüftechniken auf der „manuellen“  Überprüfung (Reviews) oder automatisierten Analysen (stati-
sche Analyse) des Codes oder anderer Projektdokumentation, ohne den Programmcode auszuführen. 
 
Reviews  sind  eine  Möglichkeit,  Arbeitsergebnisse  der  Softwareentwicklung  (einschließlich  Code)  zu 
prüfen  und  können  problemlos  bereits  lange  vor  der  dynamischen  Testdurchführung  durchgeführt 
werden. Fehlerzustände, die durch Reviews in den frühen Phasen des Softwarelebenszyklus entdeckt 
werden (z.B. Fehlerzustände in den Anforderungen), sind häufig bedeutend kostengünstiger zu behe-
ben,  als  solche,  die  erst  während  der  Testdurchführung  bei  Ausführung  des  Programmcodes  gefun-
den werden. 
 
Ein  Review kann komplett als  manuelle Aktivität durchgeführt, aber ebenso durch Werkzeuge  unter-
stützt  werden.  Die  wichtigste  manuelle  Tätigkeit  ist  die  Prüfung  und  Kommentierung  des  Arbeitser-
gebnisses.  Jedes  Arbeitsergebnis  der  Softwareentwicklung  kann  einem  Review  unterzogen  werden, 
einschließlich Anforderungsspezifikationen, Designspezifikationen, Quellcode, Testkonzepte, Testspe-
zifikationen, Testfälle, Testskripte, Anwenderhandbücher oder Web-Seiten. 
 
Vorteile  von  Reviews  sind  frühe  Aufdeckung  und  Korrektur  von  Fehlerzuständen,  Verbesserung  der 
Softwareentwicklungsproduktivität,  reduzierte  Entwicklungsdauer,  reduzierte  Testkosten  und  -dauer, 
Reduzierung  der  Kosten  während  der  Lebensdauer,  weniger  Fehlerzustände  und  verbesserte  Kom-
munikation. Reviews können beispielsweise Auslassungen in Anforderungen aufdecken (z.B. fehlende 
Funktionen), die durch einen dynamischen Test vermutlich nicht gefunden würden.  
 
Reviews, statische Analyse und dynamischer Test haben das gleiche Ziel, nämlich Fehlerzustände zu 
identifizieren.  Sie  ergänzen  sich:  Die  verschiedenen  Methoden  können  verschiedene  Arten  von 
Fehlern wirksam und effizient aufdecken. Verglichen mit dem dynamischen Test finden statische Prüf-
techniken eher Ursachen der Fehlerwirkungen (Fehlerzustände) als Fehlerwirkungen selbst. 
 
Zu den typische Fehlerzuständen, die effektiver  und effizienter durch  Reviews als durch dynamische 
Tests zu finden sind, gehören: Abweichungen von Standards, Fehlerzustände in Anforderungen, Feh-
lerzustände im Design, unzureichende Wartbarkeit und fehlerhafte Schnittstellenspezifikationen.


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3.2  Reviewprozess (K2)  

25 Minuten 

Begriffe 
Eingangskriterien,  formales  Review,  Gutachter,  informelles  Review,  Inspektion,  Metrik,  Moderator, 
Peer Review, Protokollant, technisches Review, Walkthrough 

Hintergrund  

Die  verschiedenen  Arten  von  Reviews  variieren  zwischen  informell,  charakterisiert  durch  fehlende 
schriftlichen Vorgaben für die Gutachter, und systematisch, charakterisiert durch die Einbindung eines 
Reviewteams,  dokumentierte  Reviewergebnisse  und  dokumentierte  Abläufe  zur  Durchführung  von 
Reviews. Der Formalismus eines Reviewprozesses ist abhängig von Faktoren wie Reife des Entwick-
lungsprozesses, gesetzlichen oder regulatorischen Anforderungen oder der Notwendigkeit eines Prüf-
nachweises. 
 
Die  Art  und  Weise,  wie  ein  Review  durchgeführt  wird,  ist  abhängig  von  den  festgelegten  Zielen  des 
Reviews (z.B. Finden  von Fehlerzuständen,  Erwerben  von Verständnis, Ausbildung  von  Testern  und 
neuen Teammitgliedern

oder einer Diskussion und Entscheidungsfindung im Konsens). 

3.2.1  Aktivitäten eines formalen Reviews (K1) 

Ein typisches formales Review besteht aus folgenden Hauptaktivitäten:

1.  Planen  

Festlegen von Review-/Prüfkriterien 

Auswahl der beteiligten Personen 

Besetzen der Rollen 

Festlegen der Eingangs-  und Ausgangskriterien  bei mehr formalen Reviewarten (z.B. In-
spektion)  

Auswahl der zu prüfenden Dokumententeile 

Prüfen der Eingangskriterien (bei formaleren Reviewarten) 

2.  Kick-off 

Verteilen der Dokumente 

Erläutern der Ziele, des Prozesses und der Dokumente den Teilnehmern gegenüber 

3.  Individuelle Vorbereitung 

Vorbereiten der Reviewsitzung durch Prüfung des/der Dokuments/e  

Notieren von potenziellen Fehlerzuständen, Fragen und Kommentaren 

4.  Prüfen/Bewerten/Festhalten der Ergebnisse (Reviewsitzung) 

Diskussion  oder  Protokollierung,  mit  dokumentierten  Ergebnissen  oder  Protokollen  (bei 
formaleren Reviewarten) 

Festhalten  von  Fehlerzuständen,  Empfehlungen  zum  Umgang  mit  ihnen  oder  Entschei-
dungen über die Fehlerzustände  

Prüfen/Bewerten  und  Protokollieren  von  Problemen  während  eines  physischen  Treffens 
oder Nachverfolgen von elektronischer Gruppenkommunikation 


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5.  Überarbeiten 

Beheben der gefundenen Fehlerzustände typischerweise durch den Autor 

Protokollieren des aktualisierten Fehlerstatus (in formalen Reviews) 

6.  Nachbereiten 

Prüfen, ob Fehlerzustände zugewiesen wurden  

Sammeln von Metriken  

Prüfen von Ausgangskriterien (bei formaleren Reviewarten) 

3.2.2  Rollen und Verantwortlichkeiten (K1) 

Bei einem typischen formalen Review findet man folgende Rollen: 

Manager:  Die  Person,  die  über  die  Durchführung  von  Reviews  entscheidet,  Zeit  im  Projekt-
plan zur Verfügung stellt und überprüft, ob die Reviewziele erfüllt sind. 

Moderator: Die Person, die das Review eines  Dokuments bzw. von einigen  zusammengehö-
renden Dokumenten leitet, einschließlich der Reviewplanung, der Leitung der Sitzung und der 
Nachbereitung  nach  der  Sitzung.  Falls  nötig,  kann  der  Moderator  zwischen  den  verschiede-
nen  Standpunkten  vermitteln.  Er  ist  häufig  die  Person,  von  der  der  Erfolg  des  Reviews  ab-
hängt. 

Autor:  Der  Verfasser  oder  die  Person,  die  für  das/die  zu  prüfende/n  Dokument/e  hauptver-
antwortlich ist. 

Gutachter: Personen mit einem spezifischen technischen oder fachlichen  Hintergrund (auc h 
Prüfer  oder  Inspektoren  genannt),  die  nach  der  nötigen  Vorbereitung  im  Prüfobjekt  Befunde 
identifizieren  und  beschreiben  (z.B.  Fehlerzustände).  Gutachter  sollten  so  gewählt  werden, 
dass  verschiedene Sichten  und Rollen im  Reviewprozess  vertreten sind.  Sie sollten an alle n 
Reviewsitzungen teilnehmen können. 

Protokollant:  Die  Person,  die  alle  Ergebnisse,  Probleme  und  offenen  Punkte  dokumentiert, 
die im Verlauf der Sitzung identifiziert werden. 

Softwareprodukte  oder  darauf  bezogene  Arbeitsergebnisse  aus  verschiedenen  Perspektiven  zu  be-
trachten  und  Checklisten  zu  nutzen,  kann  Reviews  wirksamer  und  effizienter  machen.  So  kann  eine 
Checkliste  helfen,  bisher  unentdeckte  Probleme  aufzudecken,  wenn  sie  typische  Anforderungsprob-
leme  enthält  und  unterschiedliche  Perspektiven  einnimmt,  beispielsweise  vom  Benutzer,  Wartungs-
personal, Tester oder Operator. 

3.2.3  Reviewarten (K2)  

Ein  einzelnes  Softwareprodukt  oder  ein  darauf  bezogenes  Arbeitsergebnis  kann  Gegenstand  von 
mehr als einem Review sein. Falls mehr als nur eine Reviewart eingesetzt wird, kann die Reihenfolge 
variieren.  Ein  informelles  Review  beispielsweise  könnte  vor  einem  technischen  Review  durchgeführt 
werden  oder  eine  Inspektion  einer  Anforderungsspezifikation  kann  vor  einem  Walkthrough    mit  Kun-
den  durchgeführt  werden.  Die  Hauptcharakteristika,  optionale  Bestandteile  und  Zwecke  allgemeiner 
Reviewarten sind: 

Informelles Review 

kein formaler Prozess 

kann in Form des  Programmierens  in  Paaren (pair  programming) durchgeführt werden oder 
ein technischer Experte unterzieht Entwurf und Quellcode einem Review 

Ergebnisse können dokumentiert werden 

Nutzen variiert abhängig von den Gutachtern  

Hauptzweck: Günstiger Weg eine Verbesserung zu erreichen  


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Walkthrough 

Sitzung geleitet durch den Autor 

kann in Form von Szenarien, Probeläufen oder im Kreis gleichgestellter Mitarbeiter (Peer Re-
view) stattfinden 

Open-End-Sitzungen 

wahlweise der Sitzung vorausgehende Vorbereitung der Gutachter 

wahlweise Vorbereitung eines Reviewberichts, der eine Liste der Befunde enthält 

wahlweise Protokollant (der aber nicht der Autor ist) 

kann in der Praxis von informell bis sehr formal variieren 

Hauptzweck: Lernen, Verständnis erzielen, Fehlerzustände finden 

Technisches Review 

dokumentierter  und  definierter  Fehlerfindungsprozess,  der  gleichgestellte  Mitarbeiter  und 
technische Experten sowie optional Personen aus dem Management einschließt 

kann als Peer Review ohne Teilnahme des Managements ausgeführt werden  

idealerweise durch einen geschulten Moderator geleitet (nicht der Autor) 

Vorbereitung vor der Sitzung durch Gutachter 

wahlweise Nutzung von Checklisten 

Vorbereitung eines  Reviewberichts, der folgende Punkte enthält: die Liste der Befunde, eine 
Gesamtbewertung,  inwieweit das Softwareprodukt die Anforderungen  erfüllt, und Empfehlun-
gen in Bezug auf die Befunde, wo angebracht 

kann in der Praxis von informell bis sehr formal variieren 

Hauptzweck:  Diskussion,  Entscheidungen  treffen,  Alternativen  bewerten,  Fehlerzustände  fin-
den, technische Probleme lösen und prüfen, ob Übereinstimmung mit Spezifikationen, Plänen, 
Bestimmungen und Standards existiert 

Inspektion 

geleitet durch einen geschulten Moderator (nicht der Autor) 

gewöhnlich durchgeführt als Prüfung durch gleichgestellte Mitarbeiter 

definierte Rollen 

schließt das Sammeln von Metriken ein 

formaler Prozess basierend auf Regeln und Checklisten  

spezifizierte Eingangs- und Ausgangskriterien für die Abnahme des Softwareprodukts 

Vorbereitung vor der Sitzung 

Inspektionsbericht mit Liste der Befunde 

formaler Prozess für Folgeaktivitäten (optional mit Komponenten zur Prozessverbesserung) 

wahlweise Vorleser 

Hauptzweck: Fehlerzustände finden 

Walkthroughs,  technische  Reviews  und  Inspektionen  können  in  einer  Gruppe  von  gleichgestellten 
Kollegen (Peers), d.h. Kollegen aus der gleichen organisatorischen Ebene, durchgeführt werden. Die-
se Art von Review wird auch „Peer Review“ genannt. 

3.2.4  Erfolgsfaktoren für Reviews (K2) 

Erfolgsfaktoren für Reviews beinhalten: 

Jedes Review hat klar definierte Ziele. 

Abhängig von den Reviewzielen werden geeignete Personen ausgewählt. 

Tester sind geschätzte Gutachter, die einen  Beitrag zum Review leisten. Weiterhin  lernen sie  
auch das Produkt kennen, was sie befähigt Tests früher vorzubereiten. 

Gefundene  Fehlerzustände  werden  positiv  aufgenommen  und  werden  objektiv  zur  Sprache 
gebracht. 

Menschliche  und psychologische Aspekte werden beachtet, es beispielsweise als eine positi-
ve Erfahrung für den Autor zu gestalten.